Interview mit Torsten Klute, Geschäftsführer der Fa. Gebr. Albert
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Gebr. Albert GmbH Co. KG - Leuchten "made in Germany"
In den seltensten Fällen gibt es noch Hersteller, die ausschließlich am Standort Deutschland produzieren. Einer dieser seltenen "Fälle" ist die Firma Gebr. Albert aus Fröndenberg,
die sich auf die Produktion von Außenleuchten spezialisiert hat. Ja-zu-Deutschland.de sprach mit Torsten Klute, dem Geschäftsführer der Fa. Gebr. Albert über die Produktionsbedingungen am Standort Deutschland und traditionelle Vertriebswege.
Ja-zu-Deutschland: Herr Klute, Ihr Unternehmen wurde bereits 1864 gegründet und hat somit eine lange Tradition. Angeblich sollen Sie sogar auch schon Rollschuhe produziert haben. Ist da was dran und wie kamen Sie dann auf die Produktion von Leuchten?
Torsten Klute: In den 60er Jahren war unsere Firma in der Tat der größte Rollschuhproduzent Europas und belieferte alle namhaften Handelskonzerne. Da die Produktion saisonal ungleichmäßig ausgelastet war, hat man sich Anfang der 50er entschieden, als Gegengewicht zum Frühjahrsgeschäft Außenleuchten zu fertigen, die ihre Saison hauptsächlich im Herbst haben.
Ja-zu-Deutschland: Wie wir bereits in Ihrem Ausstellungsraum sehen konnten, produzieren Sie aber nicht nur Leuchten.
Torsten Klute: Unser Produktsortiment umfasst alles „Rund um die Haustür“. Der Kunde findet bei uns zur ausgewählten Außenleuchte den passenden Briefkasten, das entsprechende Klingelschild und auch eine entsprechende Hausnummer oder Hausnummernleuchte.
Ja-zu-Deutschland: Beim ersten Blick auf Ihre Produkte wird deutlich, dass es sich dabei nicht um billige Kunststoffprodukte handelt. Welche Materialien verwenden Sie?
Torsten Klute: Wir verwenden ausschließlich Aluminium, das wir selber vergießen sowie Edelstahl. Erlauben Sie mir auch darauf hinzuweisen, dass wir Legierungen verwenden, die hohen Ansprüche gewachsen sind. Das von uns verwendete Aluminium hat eine sehr guter Korrosionsbeständigkeit sowie gute chemische Beständigkeit, auch gegen Salzwasser.
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Ja-zu-Deutschland: Sie bezeichnen sich selbst als Nischenanbieter, obwohl der Markt doch riesig sein müsste. Schließlich gibt es kaum ein Haus ohne Eingangsleuchte und Briefkasten.
Torsten Klute: Als Nischenanbieter bezeichnen wir uns, weil der gemeine Bauherr aus Kostengründen zu Beginn in Baumarktprodukte investiert. Im normalen Bauablauf ist die Gestaltung des Außenraumes immer das Ende des Hausbaus. In der Regel sind bis dahin finanzielle Rückstellungen aufgrund von Sonderwünschen, Bauänderungen, Möbel oder Badezimmereinrichtungen aufgebraucht. Der Kunde kauft „erst einmal“ ein günstiges Produkt und investiert dann einige Jahre später in ein Qualitätsprodukt. Nische auch deshalb, weil wir unsere Artikel ausnahmslos in unserem Werk in Fröndenberg/Ostwestfalen herstellen und nicht im Ausland produzieren lassen.
Ja-zu-Deutschland: Wertigkeit hat Ihren Preis. Ist das der Grund, warum Sie Ihre Produkte weder über Baumärkte, noch über das Internet vertreiben? Kommen Sie da gegen die Billiganbieter nicht an?
Torsten Klute: Für den Verkauf unserer Produkte bedarf es einer gewissen Beratung, um auf die Vorteile unserer Leuchten, z.B. Qualitätsunterschiede zu anderen Produkten hinzuweisen. Diese Beratung findet der Kunde in der Regel nicht im Internet oder im Baumarkt.
Ja-zu-Deutschland: Wenn nur noch Ihr Unternehmen Außenleuchten in dieser Qualität am Standort Deutschland produziert, woher kommen dann die ganzen Edelstahlleuchten beim Discounter oder im Baumarkt?
Torsten Klute: Ich denke, dass sich dies jeder Verbraucher vorstellen kann, sicher nicht aus Europa. Außerdem sollte sich jeder bewusst sein, dass es auch unter der Bezeichnung „Edelstahl“ große Qualitätsunterschiede gibt.
Ja-zu-Deutschland: Tatsächlich?
Torsten Klute: Sicher. Nicht jeder Edelstahl ist rostfrei. Um die Rostfreiheit zu prüfen, ist der Magnettest sehr beliebt. Rostfreier Edelstahl ist nicht magnetisch! Der von uns verwendete Edelstahl wird ebenso eingesetzt in der Lebensmittelindustrie, in der Pharma- und Kosmetikindustrie, für chirurgische Instrumente, im chemischen Apparatebau, im Fahrzeugbau, für Haushaltsgegenstände und -geräte sowie im Schank- und Küchenbau und bei hochwertigen Sanitäranlagen. Unser Stahl ist beständig gegen Wasser, Wasserdampf, Luftfeuchtigkeit, Speisesäuren sowie schwache organische und anorganische Säuren.
Ja-zu-Deutschland: Da Sie Ihre Produkte nur über Großhändler und Elektrofachbetriebe vertreiben, erreichen Sie den Endkunden nie direkt. Wie können Sie ihn trotzdem von Ihren Produkten „Made in Germany“ überzeugen?
Torsten Klute: Immer dann, wenn sich ein Verbraucher qualifizierte Informationen einholt beziehungsweise fachlich beraten lässt, sind wir zur Stelle. Der Fachhandel weiß unsere Arbeit zu schätzen und kann sich darauf verlassen.
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Ja-zu-Deutschland: Für Kunden ist es oft schwierig, die Preisunterschiede zwischen Innen- und Außenleuchten nachzuvollziehen.
Torsten Klute: Sobald ein Kunde nicht den Preis als höchste Priorität vorgibt oder sich von Schlagwörtern, wie Edelstahl blenden lässt, hat er die Chance in Deutschland ein hochwertiges Produkt zu erwerben, das auch hier gefertigt wurde. Den Vorrang sollte immer das Preis-/Leistungsverhältnis haben.
Ja-zu-Deutschland: Hätten alle Pessimisten Recht, dürfte es Ihr Unternehmen in Deutschland gar nicht mehr geben. Sie produzieren unter hohen Auflagen in einem Wassergewinnungsgebiet und benötigen für Ihre Aluminiumschmelze Unmengen an Strom. Keine idealen Standortvoraussetzungen im Vergleich zu Fernost. Wie schaffen Sie es trotzdem?
Torsten Klute: Es gibt da ein paar wichtige Schlagworte, die Voraussetzung sind für Erfolg. Das sind zum einen qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, Qualität, Langlebigkeit und Zuverlässigkeit der Produkte, eine zuverlässige Liefersituation, gutes und vor allem eigenes Produktdesign, technisches Know-how in der Fertigung und ständige Qualitätskontrolle. Wie schon erwähnt spielt auch die Verwendung von qualitativ hochwertigen Materialien eine große Rolle genauso wie Flexibilität für den Kunden im Hinblick auf Sonderwünsche wie Farben, Leuchtmittelbestückung oder bauliche Änderungen. Mit all diesen Faktoren erreichen wir einfach ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis.
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Ja-zu-Deutschland: Die Krise führte paradoxerweise zu einem Engpass bei Edelstahl. Schafft das für Sie Probleme?
Torsten Klute: Ja, leider werden viele große Unternehmen ausschließlich nach strengen wirtschaftlichen Regeln geführt, die aktuelle Marktsituation wird dabei jedoch oft außer acht lassen. Die Vorstände beschließen Kurzarbeit oder eine Produktionsdrosselung um die Bilanzen zu schützen. Lieferbereitschaft oder Kundenzufriedenheit ist dabei zweitrangig – das wird auf einer Hauptversammlung auch nicht diskutiert.
Ja-zu-Deutschland: Und wie hat sich die Wirtschaftskrise insgesamt bis jetzt auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?
Torsten Klute: Die Wirtschaftskrise hat uns bisher lediglich gestreift. Aber die derzeitige Situation in der Baubranche wird uns eventuell stark verzögert treffen. Auf jeden Fall sind wir mit unseren Mitarbeiter im kollegialen Dialog, um auf zukünftige Auswirkungen zu reagieren.
Ja-zu-Deutschland.de: Während in der vorangegangenen Wahl ständig der „Mittelstand“ betont wurde, hört man jetzt relativ wenig davon, den Mittelstand zu stärken. Sind Sie darüber nicht enttäuscht?
Torsten Klute: Der deutsche Mittelstand hat seine bekannten Qualitäten. Er ist in der Lage, auf die aktuelle Situation zu reagieren. Problematisch wird es, wenn die Politik durch finanzielle Hilfen oder gesetzliche Vorgaben das Marktgleichgewicht verschiebt. Was letztendlich geschieht wird man nach der Wahl sehen.
Ja-zu-Deutschland: Wir bedanken uns vielmals für die Führung durch Ihr Unternehmen und für das aufschlußreiche Interview.
Text: © JzD - SR
Bild: © Gebr. Albert GmbH Co. KG








