JzD im Gespräch mit der Firma Birkenstock Orthopädie GmbH & Co. KG
![]() |
![]() |
Gesunde Schuhe „Made in Germany” für den Weltmarkt
Wer von „gesunden Schuhen aus Deutschland” spricht, der wird sozusagen synonym die Marke Birkenstock erwähnen. Mit ihrer bis ins Jahr 1774 zurückreichenden Tradition ist das Unternehmen ein Beweis dafür, dass stetige Markenpflege und ein unbedingter Wille zur Qualität bestens geeignet sind, auch in hart umkämpften ausländischen Märkten zu bestehen und deutsche Wertarbeit mit internationalem Erfolg zu belohnen. Wir sprachen mit Geschäftsführer Karl Bernd Bremer und Markenleiter Bernd Hillen über Märkte, Piraten und den Standort.
Ja-zu-Deutschland: Herr Bremer, 233 Jahre Tradition. Wie geht ein Unternehmen damit um?
K.B. Bremer: Sehr offensiv. Denn auch wenn man, wie es bei uns glücklicherweise der Fall ist, ein bewährtes und beliebtes Produkt besitzt, muss man aufbauend auf dieser Tradition die Marke pflegen und fortentwickeln. Für Kontinuität sorgt dabei alleine schon die Tatsache, dass Birkenstock auch nach dieser langen Zeit ein Familienunternehmen ist, in dem sich die Inhaber voll und ganz einbringen.
Ja-zu-Deutschland: Herr Hillen, man spricht so leicht über „den” Markt. Gibt es einen solchen einheitlichen Markt eigentlich?
B. Hillen: Märkte, also Regionen oder Nationen, müssen immer sehr individuell betrachtet und betreut werden. Die Schwerpunkte sind unterschiedlich, so wie die Menschen unterschiedlich sind.
Ja-zu-Deutschland: Nennen Sie doch einmal solche Unterschiede.
B. Hillen: Im deutschsprachigen Raum – also in Deutschland, Österreich und der Schweiz – sind wir zum Beispiel mit unserem orthopädischen Schuh sehr stark. In den USA, in die wir schon 1966 die erste Lieferung schicken durften, sind die Kunden dagegen sehr viel freizeitorientierter. In Japan sind beispielsweise viele unserer Kunden zwischen 15 und 20 Jahre. Dort werden Birkenstock-Sandalen als hip angesehen.
Ja-zu-Deutschland: Spielt dort der Preis eine andere Rolle als hier?
B. Hillen: Nein, niemand würde Geld ausgeben, wenn er den Mehrwert nicht sehen könnte. Der Mehrwert ist unser Argument. Das einmalige Fußbett, die Verarbeitung, der einmalige Komfort. Das können andere zwar zu kopieren versuchen, sie werden aber scheitern. Und genau diesen Mehrwert wollen wir transportieren.
Ja-zu-Deutschland: Sie sprechen das Problem des „Kopierens” an. Andere nennen das „Markenpiraterie”. Welche Erfahrungen haben Sie damit?
K.B. Bremer: Natürlich wird versucht, unsere Produkte zu kopieren. Massenhaft sogar. Und natürlich sind wir nicht erfreut darüber. Denn Billigkopien sind schlecht. Schlecht für den Käufer, für seine Erwartungen, seine Gesundheit. Schlecht für unser Unternehmen, für unsere Mitarbeiter, für ihre Arbeitsplätze. Die Menschen erwarten von uns sorgfältige Verarbeitung, hochwertige Qualität, langlebiges Material und ausgesuchte Materialien. Deshalb gehen wir massiv gegen Produktpiraterie vor, obwohl dies viel Geld, Geduld und Geschicklichkeit kostet.
Ja-zu-Deutschland: Das klingt recht emotional.
B.Hillen: Ich darf emotional sein. Birkenstock ist eine emotionale Marke, die emotionalste der Welt. Was kann emotionaler sein als das Gefühl der Gesundheit, des Wohlfühlens, des Geborgen-Seins mit und in einem ehrlichen, hochwertigen und langlebigen Markenprodukt? Dieses Gefühl wollen und müssen wir schützen.
Ja-zu-Deutschland: Kommen wir zu einem anderen Thema: Bei der Familie Birkenstock arbeiten zurzeit etwa 2000 Mitarbeiter. Tendenz steigend. Geht an Ihnen das berühmte „Facharbeiter-Problem” vorbei?
K.B. Bremer: Natürlich spüren auch wir einen starken Wettbewerb um gute Mitarbeiter. Aber wir müssen den nicht fürchten. Denn Birkenstock lebt etwas, was häufig gefordert, aber selten eingehalten wird – eine Verantwortung für die Mitarbeiter. Wir fordern nicht nur, wir fördern auch, gerade bei unseren Nachwuchskräften. Wir schulen unsere Mitarbeiter, wir bilden fort. Wer das tut, kann guten Mutes in die Zukunft schauen, denn die Menschen schätzen uns, weil auch wir sie schätzen und ernst nehmen.
Ja-zu-Deutschland: Eine spezielle Besonderheit an Birkenstock-Produkten ist ja, dass sämtliche Teile aus eigener Produktion stammen. Ist das nicht extrem aufwendig, Herr Hillen?
B. Hillen: Ja, aber es ist auch sinnvoll. Unsere hochspezialisierten Produktionsbetriebe stellen sogar die Schnallen selber her, mit mehrfacher Einbrennlackierung, Korrosionsschutz, mit im Material versinkenden Klammern. Natürlich könnten wir die extern billiger einkaufen. Tun wir aber nicht, denn auch hier ist Qualität die oberste Maxime. Genau wie bei den Laufsohlen und allen anderen Teilen unserer Produkte. Nein, die Marke Birkenstock hat einen besonderen Auftrag. Dieser Auftrag heißt Qualität für die Gesundheit unserer Kunden. Und diesen Auftrag erfüllen wir.
Ja-zu-Deutschland: Meine Herren, herzlichen Dank für das Gespräch.
Text: © Carl Plathner
Logo: © JzD/Birkenstock Orthopädie GmbH & Co. KG

