JzD im Gespräch mit Johann Kretzer GmbH und Co. KG Geschäftsführer Torsten Kretzer

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Immer der perfekte Schnitt - Scheren Made in Solingen
Auf einer Produktionsfläche von über 2.100 qm und mit ca. 50 Mitarbeitern stellt KRETZER SCHEREN SOLINGEN die Weichen für eine Produktion von wöchentlich über 23.000 Scheren. So wird im Jahresdurchschnitt eine Gesamtscherenproduktion von ca. 1,2 Mio. Stück erzielt, die weltweit vertrieben werden. Um diese enormen Stückzahlen in gleich bleiend hoher Qualität zu erreichen, sind modernste Produktionsanlagen und -techniken Voraussetzung. Wir sprachen über das Erfolgsrezept mit dem Geschäftsführer der Johann Kretzer GmbH und Co. KG Torsten Kretzer:

Torsten Kretzer

Ja-zu-Deutschland: Herr Kretzer, wie zufrieden sind Sie mit der Geschäftsentwicklung der vergangenen drei Jahre?

T. Kretzer: Da muß man unterscheiden: Mit der Geschäftsentwicklung des letzten Jahres bin ich zufrieden, mit den letzten drei Jahren allerdings nicht. In den letzten 12 Monaten hat das Geschäft deutlich zugelegt, aber vorher hatte der Markt massive Einbrüche.

Ja-zu-Deutschland: Sie haben den Aufschwung also konkret erlebt?

T. Kretzer: In der Tat. Ungefähr ein viertel Jahr nach der Ankündigung hat er uns wirklich erreicht hat.

Ja-zu-Deutschland: Welche Märkte sind für Sie besonders wichtig?

T. Kretzer: 75% unseres Geschäftes ist innereuropäisch, rund 15% nordamerikanisch, beim Rest bildet der Nahe Osten einen Schwerpunkt mit gut 8%.

Ja-zu-Deutschland: Sind Sie zufrieden mit den Möglichkeiten, in Deutschland Fachpersonal bzw. Facharbeiter anwerben zu können?

T. Kretzer: Wir leiden ein wenig darunter, daß Facharbeiter ihr Fach nur noch als Spezialisten beherrschen. Die umfassende Kenntnis des Arbeitsbereiches ist mehr oder weniger verloren gegangen. Hinzu kommt, daß die Stahlbearbeitung genauso wie der ganze industrielle Bereich in den letzten Jahren so herunter geredet wurde, daß kein Schulabgänger mehr dahin will.

Ja-zu-Deutschland: Sehen Sie für Ihr Unternehmen Bedarf, Mitarbeiter aus anderen europäischen Ländern anzuwerben?

T. Kretzer: Kaum, dazu haben wir nicht die finanziellen Möglichkeiten. Ich glaube auch, daß genügend Potential da ist in Deutschland. Es geht nur darum, es auch wieder zu wecken. Wenn sie zwei Generationen lang erzählen, „geh‘ nicht in die Industrie, da werden Arbeitsplätze abgebaut, da ist es dreckig, laut, du kriegst kein Geld“, dann wird das irgendwann jeder glauben. Ich brauche ja keine Hochqualifizierten – mir reicht ja ein vernünftiger Hauptschulabschluß, handwerkliche Begabung und ein bißchen technisches Interesse.

Ja-zu-Deutschland: Das ist dann schon der nächste Punkt. Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausbildungsstand der Schulabgänger?

T. Kretzer: Überhaupt nicht, der ist schrecklich. Wir bilden zur Zeit drei Leute aus. Von denen erwarte ich, daß sie die Grundrechenarten beherrschen und halbwegs fehlerfrei schreiben und reden können. Daneben kommen natürlich die ganzen Softskills wie Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Ehrlichkeit usw. Aber von diesen Schlüsselqualifikationen ist leider das Allerwenigste gegeben. Ich frage mich manchmal, was die Schulen eigentlich leisten.

Ja-zu-Deutschland: Wie viele Mitarbeiter haben Sie zur Zeit insgesamt?

T. Kretzer: Knapp über 50.

Ja-zu-Deutschland: Könnten Sie bestimmte Entwicklungen zu einer Verlagerung bewegen? Weg aus Deutschland?

T. Kretzer: Eine Produktionsverlagerung einer Firma unserer Größenordnung ins Ausland ist nicht finanzierbar. Darauf baut die Politik letztendlich auch. Daß der Mittelstand nämlich oft gar nicht hier weg kann, selbst wenn er wollte. Die eigentliche Gefahr ist, daß man aufhört, in Deutschland zu produzieren und mehr und mehr handelt, zum Beispiel mit chinesischen Waren.

Ja-zu-Deutschland: Haben Sie konkrete Erfahrungen mit Produktpiraterie?

T. Kretzer: Oh ja, dadurch geht uns relativ viel Geld verloren. Ich kann ihnen Produkte zeigen, die sind unseren zum Verwechseln ähnlich, inklusive Verpackung und Grüner Punkt – alle aus Asien. Es gibt sogar Kopien der Kopien. Ich weiß ganz genau, welche Unternehmen dahinter stecken, aber ich bekomme sie nicht zu fassen.

Ja-zu-Deutschland: Gehen Sie mit Anwälten konkret dagegen vor?

T. Kretzer: Wir versuchen, unsere Hauptmärkte, also Europa und Nordamerika – zu sichern. Damit schütze ich 90% meines Umsatzes. Im arabischen Raum kann ich leider fast nichts tun, weil ich da nicht weiterkomme mit juristischen Schritten. Dort haben Inländer grundsätzlich Vorteile und es gibt kein Markengesetz.

Ja-zu-Deutschland: Haben Sie das Gefühl, daß die Deutschen mehr Wert auf Qualität legen? Daß die „Geiz ist geil“-Ära endet?

T. Kretzer: Die „Geiz ist geil“-Ära wurde ja vom Handel gestartet. Und der Handel kommt damit jetzt in echte Bedrängnis. Deshalb zeigen auch Discounter langsam Interesse an deutschen Produkten, allerdings nach altbewährtem Schema – nämlich billig. Sie wollen zwar „Made in Germany“, aber zu einem billigen Preis. Das ist gefährlich, denn „Made in Germany“ ist bekanntermaßen nicht gerade supergut geschützt. Wer „Made in Germany“ auf seine Produkte klebt, muß ja leider nicht nachweisen, daß die Mehrheit der Wertschöpfung in Deutschland stattgefunden hat. Meiner Meinung nach wird dadurch Lug und Betrug Tür und Tor geöffnet.

Ja-zu-Deutschland: Was wünschen Sie sich von der deutschen Politik?

T. Kretzer: Mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt. Ich möchte einfach wieder einen echten Arbeitsmarkt haben. Das deutsche Problem ist neben Fachkräftemangel nämlich das Lohnkostenrisiko. Einmal aufgebaut, werden Sie Lohnkosten nicht mehr los. Stellen Sie sich einmal vor, Sie sagten ihrem Schlosser, lieber Schlosser du verdienst 30.000 € im Jahr, uns geht es schlecht, stell‘ dich darauf ein, daß Du nächstes Jahr 20.000€ verdienst. Der geht doch lieber in die Arbeitslosigkeit. Die 20.000€ bekommt er auch ohne zu arbeiten.

Ja-zu-Deutschland: Wie stellen Sie bisher „Made in Germany“ heraus?

T. Kretzer: Wir führen „Made in Germany“ auf allen Produkten, bei denen dies möglich ist.

Ja-zu-Deutschland: Was machen Sie mit der Handelsware, die Sie hinzukaufen?

T. Kretzer: Die zeichne ich natürlich nicht mit „Made-in-Germany“ aus.

Ja-zu-Deutschland: Was wünschen Sie sich noch von unserer Initiative?

T. Kretzer: Das Thema Deutschland ist ein Politisches. Ich bin bestimmt kein typischer Patriot, aber ich fand es gut, daß während der Fußball-WM Deutschlandfahnen in den Autos hingen. Und daß sich die Deutschen über ihre Fahne gefreut haben. Ich glaube auch, daß wir alle etwas stolzer auf das werden müssen, was wir hier machen. Und das die Bürger aufgeweckt werden müssen und verstehen, daß wir alle letztendlich davon leben, das in Deutschland etwas wertgeschöpft wird, egal ob Produkt oder Dienstleistung.

Ja-zu-Deutschland: Aber ist dieser Zug nicht schon abgefahren? Die Fahnen für die WM z.B. kamen komplett aus China. Es ist ja schon jetzt nicht mehr möglich, einen Fußballschuh aus deutscher Produktion zu bekommen.

T. Kretzer: Hier würde richtige Aufklärung helfen. Jeder sollte wissen, was alles inzwischen aus Fernost kommt. Vielen Käufern ist zudem nicht klar, daß die Arbeiter in den fernöstlichen Fabriken oftmals nur für 30 Euro im Monat unter grauenhaften Bedingungen arbeiten müssen. Es gilt zu begreifen, daß bestimmte Produkte eben einen entsprechend hohen Preis bedingen, wenn man sozial und umweltkonform konsumieren möchte.

Text: © JzD - SR
Bild:  © Johann Kretzer GmbH und Co. KG

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