JzD im Gespräch mit Michel Rouland, Prokurist der RÖMERTOPF Keramik GmbH
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100 Prozent Genuss und 100 Prozent „Made in Germany“ dafür steht RÖMERTOPF
Nach dem großen Erfolg unserer letzten Sommertour haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, um interessante Interviews mit mittelständischen Unternehmen zu führen. Auftakt der Interviewreihe war unser Gespräch mit der Firma RÖMERTOPF Keramik aus dem schönen Westerwald. Die Firma RÖMERTOPF, die sich selbst als Nischenanbieter bezeichnet, feierte 2007 ihr 40 jähriges Jubiläum und hat bereits über 25 Millionen Bräter aus Naturton hergestellt. JzD-Gründer S. Rabe sprach mit dem Prokuristen der Fa. RÖMERTOPF Michel Rouland über die Entwicklung der Firma und über seine Art, die Wirtschaftskrise zu bewältigen.
Ja-zu-Deutschland: 2007 feierte ihr Unternehmen das 40ste Jubiläum. 40 Jahre Wettbewerb – wie schafft es ein Nischenanbieter, sich so lange am Markt zu behaupten ohne sich neu erfinden zu müssen?
Michel Rouland: Sich neu zu erfinden ist ein Gebot jeder Stunde. Die Produkte unserer Firma basieren auf einem System, das sich bereits seit über 2000 Jahren bewährt. Deswegen heißt unser Unternehmen ja auch Römertopf. Dieses Grundprinzip wird stets aktualisiert und dem Zeitgeist angepaßt.
Ja-zu-Deutschland: Wie können Sie der Generation der 20 bis 30-Jähringen Ihre Produkte näher bringen, in einer Zeit, in der scheinbar nur noch Tiefgekühltes in die Mikrowelle gesteckt wird?
Michel Rouland: Indem wir uns ganz genau anschauen und auch anhören, was der Endverbraucher kocht bzw. wie er kocht. Und indem wir ihm dann eine Brücke bauen zu den uralten Eigenschaften der Produkte unserer Marke. Bestes Beispiel dafür ist unser brandneuer multifunktionaler Bräter, der auf der einen Seite alle Eigenschaften eines traditionellen Römertopf Produktes mitbringt und jetzt auch hervorragend für die Mikrowelle geeignet ist. Also bieten wir jetzt etwas an für die schnelle Küche, aber ohne auf den gesundheitsbewußten Genuss aus einem Römertopf-Produkt verzichten zu müssen.
Ja-zu-Deutschland: Garen im Römertopf - gesünder und vitaminreicher geht es nicht. Ist das Thema gesunde Ernährung für Ihr Unternehmen ein elementarer Bestandteil der Werbung?
Michel Rouland: In der Tat. Wir profitieren zurzeit von zwei Mega-Trends. Der eine Trend hat Kochen heute wieder als Freizeitvergnügen etabliert. Statt abends in teure Restaurants zu gehen, ist es wieder en Vogue, Freunde einzuladen und gemeinsam mit ihnen gemütlich in der heimischen Umgebung zu kochen. Der andere Trend ist die gesundheitsbewußte Ernährung und das Streben nach körperlicher Fitness. Beide Trends werden durchaus unterstützt durch die zahlreichen Kochsendungen, die in den letzten beiden Jahren zu einem häufig verbreiteten Fernsehformat geworden sind. Diese beiden Trends tragen zurzeit die Produkte der Firma RÖMERTOPF weiter in den Markt.
Ja-zu-Deutschland: Wie wichtig ist die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ für Ihre Produkte?
Michel Rouland: Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ war und ist latent immer ein Gütesiegel für Qualitätsprodukte. „Made in Germany“ hat in Deutschland vor ca. 10-12 Jahren etwas an Priorität, an Strahlkraft verloren gehabt, obwohl es durchweg für den Exportkunden einer der wichtigsten Kaufgründe war. Das Comeback des Qualitätsprädikats „Made in Germany“ ist jetzt durchaus auch als Gegenpol zur Globalisierung zu sehen. In Zeiten der globalen Klimaerwärmung ist „Made in Germany“ aber inzwischen auch Garant und strahlendes Symbol für eine umweltfreundliche Produktion. Produkte „Made in Germany“ zu kaufen ist somit auch ein aktiver Beitrag zum Erhalt unserer Umwelt.
Ja-zu-Deutschland: Ist das wirklich ein Verkaufsanreiz oder gibt es einfach noch keinen „Asiatopf“ der Ihnen Konkurrenz machen könnte?
Michel Rouland: Es gibt leider inzwischen sehr viele Artikel aus Asien die in unserem Produktbereich angeboten werden. Die Artikel liegen jedoch Gott sei Dank nicht nur beim Preis unter unseren Angeboten, sondern auch bei der Qualität. Da ist uns die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ sehr wohl eine exzellente Verkaufshilfe auf die wir nicht verzichten möchten. Die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ steht neben unserem Markennamen RÖMERTOPF für eine lange Tradition, für Qualität, für Umweltbewußtsein und Verantwortung. Eine andere Herkunftsbezeichnung wäre dem Verkauf unserer Produkte nicht dienlich.
Ja-zu-Deutschland: Mit Ihren Produkten führen Sie bei der Fertigungstiefe unsere Rangliste an. 100 Prozent Made in Germany, wie schafft man das heute noch?
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Michel Rouland: Bei uns werden alle Arbeitsschritte genau untersucht und dann optimiert. Es gibt sehr viele weiche Faktoren, die oftmals nicht genügend berücksichtigt werden. Wir erleben oft, wie Kollegen aus dem Mittelstand ganze Fertigungsstraßen exportieren. Dabei wird jedoch vollkommen unterschätzt, wie wichtig Know-How, Tradition und auch Erfahrung für eine hohe Produktqualität und einen reibungslosen und damit kostengünstigen Produktionsablauf sind. Darüber hinaus übersehen viele Unternehmer den Technologietransfer, den sie mit einer Verlagerung der Produktion einleiten. Und das kommt ihnen schon kurze Zeit später oft teuer zu stehen. Dementsprechend ist es auch langfristig gesehen für uns die beste Entscheidung, an unserer Produktion vor Ort festzuhalten. Darüber hinaus beziehen wir unsere Rohstoffe bereits direkt vor der Tür. Besser und kostengünstiger geht es nicht. Aber ich sage Ihnen auch, dass es in Bezug auf Verwaltungsauflagen usw. oftmals nicht einfach ist, in Deutschland zu produzieren.
Ja-zu-Deutschland: Sie sagen stets, dass Ihnen als Franzose die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ ganz besonders am Herzen liegt. Wie meinen Sie das genau?
Michel Rouland: Wie ich bereits eingangs erwähnte, spielt für den Exportkunden die Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ eine ganz besondere Bedeutung. Als Franzose betreue ich natürlich sehr gerne unsere Exportkunden und bin mir durch den persönlichen Kontakt bewusst, wie wichtig die Herkunftsbezeichnung ist. Während es in Deutschland manchmal Zweifel gibt an den eigenen Leistungen, ist das Bild von Deutschland im Ausland als Exportnation von Qualitätsgütern ungebrochen.
Ja-zu-Deutschland: Die Wirtschaftskrise hat Deutschland fest im Griff. Trotz erster Hoffnungsschimmer befürchten viele, dasss die Arbeitslosenzahlen nach den Bundestagswahlen weiter ansteigen werden. Wie meistern Sie und Ihre Mitarbeiter die Krise?
Michel Rouland: Da haben wir gleich mehrere Punkte, die es uns vielleicht ein wenig einfacher machen. Unser Betrieb hat zunächst eine überschaubare Größe. Wir haben speziell auf unsere Betriebsgröße zugeschnittene Arbeitsplatzmodelle und können daher sehr flexibel arbeiten. Darüber hinaus ist festzustellen, dass Nischenprodukte oftmals antizyklisch laufen. Würden wir jetzt einen Massenartikel zu einem kleinen Preis, ohne Design und Tradition herstellen, hätten wir es sicherlich viel schwieriger. Markenartikel, die eine starke Ausstrahlung, einen klar definierten Wert und einen klar definierten Nutzen mit sich bringen, haben es da einfacher. Und davon profitieren wir zurzeit sehr stark. Außerdem haben wir einen über viele Jahre gepflegten Mitarbeiterstamm und hervorragende Kollegen an den wichtigsten Schaltstellen.
Ja-zu-Deutschland: Wenn Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier morgen Ihr Unternehmen besichtigen würden. Was würden Sie Ihnen sagen oder mit auf den Weg geben? Was sollten Sie in der nächsten Legislaturperiode besser machen für den Mittelstand?
Michel Rouland: Sicherlich wäre der Bürokratieabbau ein wichtiger Schritt. Ich darf Ihnen da ein Beispiel nennen: Es vergeht kein Monat, indem wir nicht vom Zollamt, vom Gesundheitsamt, der Berufsgenossenschaft oder vom Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert werden. Die Kontrollen haben durchaus ihre Berechtigung, denn schließlich geht es auch darum, die Sicherheit der Arbeitnehmer, der Verbraucher und die Umweltbelange sicherzustellen. Solche Kontrollen kosten uns jedoch immer eine Menge Zeit und damit auch wieder ein Stück Wettbewerbsfähigkeit. Denn wir müssen mit ausländischen Anbietern konkurrieren, die diese Auflagen nicht kennen. Mit diesem Thema und der Unterbindung von Plagiaten sollte sich die Politik in Zukunft mehr befassen.
Natürlich wäre uns auch daran gelegen, wenn die Politik den Arbeitnehmern mehr Netto vom Brutto lassen würde um die Binnennachfrage anzukurbeln. Die Finanzierung der Wirtschaftskrise läßt jedoch eher das Gegenteil erwarten.
Ja-zu-Deutschland: Herr Rouland, herzlichen Dank für das Gespräch und weiter viel Erfolg für Ihr Unternehmen.
Text und Bild: © JzD - SR



