Interview mit Bernhard Wenninger, Vorstandssprecher der Westag & Getalit AG

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Westag & Getalit AG - Türen und Zargen "Made in Germany"
1901 als kleine Möbelfabrik gestartet, bietet die Westag & Getalit AG heute seinen Kunden ein breites Produkspektrum in den drei Unternehmenssparten Türen/Zargen, Sperrholz/Schalung und Laminate/Elemente an. Wir besuchten die Produktionsstätte in Rheda-Wiedenbrück und sprachen mit dem Vorstandssprecher Bernhard Wenninger über nachhaltiges Handeln und die Verantwortung die man als einer der größten Arbeitgeber der Region trägt.

Ja-zu-Deutschland: Herr Wenninger, Ihr Unternehmen wurde 1901 als Möbelfabrik gegründet. In welchen Bereichen sind Sie heute tätig?

Bernhard Wenninger

Bernhard Wenninger: Aus der Möbelfabrik von 1901 entwickelte sich die Westag & Getalit AG zu einem der wichtigsten europäischen Holzwerkstoff- und Kunststoff Hersteller. Unsere Kernkompetenz bezieht sich auf Produkte, bei denen Holz als Basismaterial durch hoch belastbare Kunststoffoberflächen veredelt wird. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein breites Produktspektrum, das heute von Sperrholzplatten für Schalungen, Böden und Fahrzeugausbauten über Türen und Zargen bis hin zu Küchenarbeitsflächen, Fensterbänken und Mineralwerkstoffoberflächen reicht. Genauso vielschichtig wie unsere Produktpalette sind auch die Einsatzbereiche. Unsere Produkte finden beispielsweise Ihre Verwendung im öffentlichen- und privaten Innenausbau, aber auch bei der Möbelherstellung und im Laden und Messebau. Diese Vielschichtigkeit unserer Produktpalette und der Einsatzbereiche erfordert eine geeignete Organisationsform. Deshalb haben wir die verschiedenen Produktbereiche in drei operative Sparten gegliedert, die jeweils über eine eigene Produktion, einen eigenen Vertrieb und eine eigene Entwicklung verfügen. Die administrativen Funktionen sind in unserer Zentralsparte gebündelt. Über diese Organisation ist die eigenständige und flexible Handlungsfähigkeit der einzelnen Sparten im Markt möglich. Heute sind mehr als 1.200 Mitarbeiter in unseren beiden Werken an den Standorten Wiedenbrück und Wadersloh beschäftigt und wir erwirtschafteten in 2008 einen Umsatz von 226 Mio. Euro.

Ja-zu-Deutschland: Obwohl Ihr Unternehmen über 1200 Mitarbeiter beschäftigt, produzieren Sie Ihre Türen und Zargen zum größten Teil am Fließband. Ist das in diesem Geschäftsbereich die Regel oder macht das den Vorsprung Ihres Unternehmens aus?

Bernhard Wenninger: Um eine hohe Bandbreite an Varianten in großen Mengen anbieten zu können, kommt es auf einen perfekten Fertigungsablauf sowie modernste Technik an. Alles zusammen garantiert eine starke Kundenbindung verbunden mit einer hohen Zufriedenheit des Abnehmers. Wie in vielen anderen Branchen gibt es bei uns von der kleinen „Türenwerkstatt“ bis zum hochmodernen Industriehersteller alle Verfahren zur Herstellung von Türelementen. Es ist also keine Fließbandfertigung, sondern eine hocheffiziente industrielle Fertigung vom Einzelstück bis zur großen Serie. Diesen Vorsprung einer solch variablen Fertigung merkt der Kunde dann in der kurzen Materialverfügbarkeit bei einem sehr guten Preis-, Leistungsverhältnis. Durch dementsprechende hergestellte Produkte kann man natürlich auch am Markt mit einem ausgewogenen Sortiment agieren, das für den Kunden keine Wünsche offen lässt. Verbindet man hohe Qualitätsansprüche mit einer außergewöhnlich großen Produktvielfalt, lieferbar in kurzer Zeit, sei es als Einzelstück, oder auch als Serie, so kann man sich wie in unserem Fall, perfekt am Markt positionieren.

Ja-zu-Deutschland: Fließband macht in der Regel nur Sinn, wenn man hohe Stückzahlen auf Lager produziert. Dennoch kann der Kunde zwischen Hunderten Kombinationen variieren. Wie funktioniert das genau?

Bernhard Wenninger: Wie schon gesagt, ist es kein Fließband, sondern eine Differenzierung in die Einzel- oder die Serienfertigung. Hier gilt es, den guten Mittelweg zwischen dem betriebswirtschaftlich Sinnvollen und dem technisch Möglichen zu finden. Die Serienfertigung ist merkmalsgesteuert, das heißt, es werden technische Eigenschaften unterschiedlichster Produkte betrachtet und dementsprechend in der Fertigung den automatisierten Maschinen zugeführt. Hierdurch ist ein rationeller Ablauf gewährleistet. Mit der Fließbandarbeit im allgemeinen Sinne hat dies nichts zu tun, vielmehr ist es ein logistischer Ablauf mit höchst komplexen, elektronisch unterstützten Aneinanderreihungen von technischen Bearbeitungsschritten. Dies ermöglicht die große Varianz, auch von Serienprodukten.

Westag & Getalit Türen und Zargen

Ja-zu-Deutschland: Wie viele Kombinationen gibt es denn nun wirklich bei Ihren Türen?

Bernhard Wenninger: Eine genaue Anzahl ist nicht genau zu definieren. Nimmt man die Varianten in der Breite, der Höhe, der Dicke, möglichen Schloss- und Bandkombinationen, mit Spion, mit Lüftungsgitter, in vielen Farbvarianten und noch mit verschiedensten Oberflächenmaterialen, so entsteht rechnerisch ein Wert, der weit mehr als 100 Mio. Varianten zulässt. Sie sehen, machbar ist alles, aber wie auch bei anderen Dingen, so fertigen wir nicht die komplette Vielfalt, sondern nur einen Bruchteil des Möglichen.

Ja-zu-Deutschland: Bei der Führung über Ihr Werksgelände sind wir auch an einer Kraftwärmekopplungsanlage (KWK-Anlage) vorbeigekommen. Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für eine Aktiengesellschaft wie die Ihre?

Bernhard Wenninger: Das Thema Nachhaltigkeit nimmt eine große Rolle in unseren langfristigen Planungen ein. Als holzverarbeitender Betrieb sehen wir uns natürlich verpflichtet umweltbewusst zu handeln. Aus diesem Grund haben wir Ende 2001 auch unsere KWK-Anlage erbaut. Die Holzabfälle, die während der Produktion anfallen, verwenden wir so für die Strom- und Wärme- beziehungsweise Dampferzeugung. Mit besonderem Hinblick auf den Umweltschutz haben wir die Anlage bereits im vergangenen Jahr erweitert und mit einer neuen Filteranlage ausgestattet, die schon heute die Ausstoßwerte nach der ab 2011 geltenden Richtlinie einhält und sogar übertrifft. Genauso wichtig ist aber auch nachhaltiges Handeln im Bezug auf unsere Mitarbeiter. Mit unseren Standorten in Rheda-Wiedenbrück und in Wadersloh übernehmen wir als einer der größten Arbeitgeber der Region eine hohe soziale Verantwortung.

Ja-zu-Deutschland: Nachhaltigkeit geht also mit den Mitarbeitern weiter?

Bernhard Wenninger: Selbstverständlich. Qualifizierte und engagierte Mitarbeiter sind eine Grundvoraussetzung für unseren Erfolg. Gerade bei der Ausbildung und Förderung unsere Mitarbeiter sind wir deshalb stark engagiert. Dazu zählt unter anderem ein ausgewogenes Seminarangebot aber auch die Förderung von Mitarbeitern, die nebenberuflich ein Studium absolvieren oder sich auf andere Weise weiterentwickeln. Ebenso wichtig wie die Förderung unsere Mitarbeiter ist uns auch die Ausbildung junger Menschen. Derzeit absolvieren bei uns über 60 Auszubildende in 10 Berufen eine Ausbildung. Mit einem Blick auf die vergangenen Jahre können wir dabei auf eine Übernahmequote von über 90% zurückblicken und bieten somit jährlich ca. 20 jungen Menschen eine gute Zukunftsperspektive. Nachhaltigkeit bedeutet für uns im Bezug auf unsere Mitarbeiter aber auch, dass sie am Unternehmenserfolg beteiligt werden. Durch unsere Beteiligungsmodelle bieten wir unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich beispielsweise durch Mitarbeiteraktien direkt am Unternehmenserfolg zu beteiligen. Darüber hinaus existieren noch weitere Vergütungsmodelle, die auf dem wirtschaftlichen Erfolg unserer Gesellschaft beruhen.

Ja-zu-Deutschland: Der Türen- und Zargenmarkt ist noch nicht stark durch Markennamen geprägt. Macht das Qualitätsprodukte nicht ganz besonders anfällig für eine Billigkonkurrenz?

Bernhard Wenninger: Natürlich gibt es keine intensiven Markenidentifikationen in unserer Branche wie im Konsumgüterbereich. Jedoch herrschen auch hier starke Markennamen am Markt. Wir sind der festen Überzeugung, dass hier der Trend zu festen Markengrößen entstehen kann. Innerhalb des Großhandels sind diese Markennamen auch präsent, jedoch der Endkunde, der vielleicht alle 20 – 40 Jahre eines unserer Produkte kauft, interessiert sich weniger dafür. Deshalb ist es unser Ziel unsere Hauptmarke im Türenbereich namens „PortaLit“ am Markt, z.B. durch Prospekte für den Endkunden, zu festigen. Der Begriff „PortaLit“ steht für Qualität mit gutem Preis/ Leistungsverhältnis. Billigprodukte oder Plagiate aus Fernost sind in unserer Branche nicht so stark ausgebildet wie in andere Branchen der Konsumgüterindustrie. Der Endkunde möchte in der Regel für lange Zeit qualitativ hochwertige Türen in seine 4 Wände einbauen, die auch ein Fachmann für ihn installiert. Daher glaube ich, dass die Billigkonkurrenz im Fachhandelsbereich unserer Branche weniger große Chancen hat. Zudem wird der Endverbraucher vom Händler beraten, dieser möchte dem Kunden i.d. Regel keine sogenannten „Billigprodukte“ verkaufen – und genau hier ist der Hebel an dem wir ansetzen müssen, um einen Markennamen bekannt zu machen.

Ja-zu-Deutschland: Sie haben bereits kurz nach Ihrem Eintrag unser Made-in-Germany Siegel beantragt und inzwischen bereits erhalten. Wie geht es damit weiter? Wie werden Sie es einsetzen? Können die Kunden es schon am Point of Sale sehen?

Bernhard Wenninger: Wir haben das Siegel bereits in unserem Endverbraucherprospekt für den Baumarktbereich eingesetzt und es gleich zu Anfang der Broschüre platziert. Wir sind stolz darauf schon mehr als 100 Jahre am Standort Deutschland zu fertigen und haben uns deshalb für die Siegelbeantragung entschieden und sehen es als klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Auch in zukünftigen Katalogen sowie POS-Aktionen planen wir das Made-in-Germany-Siegel ein und streben eine Durchgängigkeit in unseren Werbemitteln an.

Westag & Getalit Laminat

Ja-zu-Deutschland: Vier Ihrer Produktionsbereiche hängen direkt mit dem Baugewerbe zusammen. Der Fünfte ausgerechnet mit dem Fahrzeugbau. Alles Bereiche, die besonders stark mit der Krise zu kämpfen haben. Wie schlagen Sie sich?

Bernhard Wenninger: Das ist richtig, die Krise geht auch an uns nicht spurlos vorbei. Unser Vorteil ist jedoch, dass wir gerade in dieser Zeit von unserer Unternehmensstruktur profitieren. Diese ermöglicht es uns, je nach Branchenentwicklung in den jeweiligen Spartenbereichen zu agieren und somit flexibel und marktorientiert zu handeln - verbunden mit dem weiteren Vorteil eventuelle Einbrüche des einen Bereiches mit stabilen Märkten der andere Sparte ausgleichen zu können. Unsere Sparte Sperrholz/Schalung hat die Krise besonders stark getroffen, da hier die Verknüpfung zum Bau sehr groß ist. Davon unabhängig nähert sich unsere Sparte Türen/Zargen sogar dem guten Vorjahresergebnis an und wirkt dem aktuellen Trend der anderen Sparte entgegen. Die Abfederung der gesamten Umsatzentwicklung unserer Gesellschaft verdanken wir somit auch unserer Spartenorganisation, wobei grundsätzlich die einzelnen Unternehmensbereiche schon autark am Markt agieren. Alles im allem sehen wir diese Zeit grundsätzlich nicht nur negativ, sondern auch als Chance für uns gestärkt aus der Krise zu gehen.

Ja-zu-Deutschland: Das Konjunkturprogramm führt zu massiven Investitionen bei öffentlichen Gebäuden. Was bieten Sie in diesem Bereich an und profitieren Sie bereits davon?

Bernhard Wenninger: Sicher. Wir haben mit Hinblick auf das Konjunkturpaket sehr früh entsprechende Maßnahmen eingeleitet und unsere Produktlinien entsprechend aufgestellt. So bieten wir heute mit unserem Sortiment auf den Markt zugeschnittene Türenvarianten an, die speziell für den Einsatz in öffentlichen Gebäuden/Schulen entwickelt wurden. Aber auch unsere Sparte Sperrholz/Schalung reagierte hier entsprechend frühzeitig. Wir bieten Bodenplatten an, die Ihren Einsatz als Wechselboden in Sporthallen finden und die Hallen dadurch flexibel nutzbar machen. Für diese Entwicklungen war es natürlich auch nötig, Investitionen in der Produktion vorzunehmen. Mit diesen weitreichenden Entscheidungen regieren wir aber nicht nur kurzfristig auf das Konjunkturpaket, sondern bauen damit auch unsere Kompetenzen immer weiter aus.

Westag & Getalit Sperrholz für Fahrzeuge Westag & Getalit Sperrholzschalung

Ja-zu-Deutschland: Am 27. September war Bundestagswahl. Was wünschen Sie sich von der Politik um am Standort Deutschland wettbewerbsfähiger produzieren zu können?

Bernhard Wenninger: Da gibt es natürlich viele Ansatzpunkte. Dazu zählt meiner Meinung nach in jedem Fall eine Entbürokratisierung, ein einheitliches und vereinfachtes Steuersystem sowie europaweit einheitliche Umwelt- und Arbeitsrechtsbestimmungen. Die Optimierung von unteranderem verbesserten Rahmenbedingungen, ist notwendig um langfristig für wirtschaftliches Wachstum zu sorgen und die Weiterentwicklung der Unternehmen am Standort Deutschland sicherzustellen.

Ja-zu-Deutschland: Herr Wenninger, wir bedanken uns vielmals für die Führung durch Ihr Unternehmen und das interessante Interview mit Ihnen.

Text: © JzD - SR
Bild: © Westag & Getalit AG

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