Meldung vom 29.03.2006
Standort Deutschland - alle können helfen
Westfälische Rundschau
Kamen. (wig) Müssen wir eigentlich tatenlos zusehen, wenn eins ums andere Unternehmen seine industriellen Arbeitsplätze ins "billige" Ausland verlagert? Sascha Rabe versucht gegen zu steuern: Mit einer bisher einzigartigen Internet-Initiative wirbt er um Verbraucher-Verantwortung.
Geld verdienen kann der 29-jährige Heeren-Werver mit seiner Seite "Ja-zu-Deutschland.de" nicht - aber das ist auch überhaupt nicht das Anliegen des Eisenbahn-Ingenieurs. Ganz im Gegenteil: Um die Seite noch interessanter zu machen, hat er sogar einen kostenpflichtigen Nachrichtendienst abonniert. Haupt-Inhalt der Seite ist aber die Selbstdarstellung von Unternehmen, die Gebrauchsgüter in Deutschland produzieren. Wie etwa der Textil-Hersteller "Trigema", der als einer der ersten das "Ja-zu-Deutschland"-Forum nutzte.
Kostenlos, wie alle Interessenten, die sich hier präsentieren möchten. Die Angebote der eingetragenen Firmen sind in einer Datenbank zusammengefasst, die der Verbraucher direkt ansteuern kann. Wer dann also ein in Deutschland gefertigtes T-Shirt sucht, Schuhe oder Werkzeuge "made in Germany", der kann sich bequem unter "Ja-zu-Deutschland.de" orientieren.
Sascha Rabe hofft, dass er damit einen echten Beitrag zum Erhalt der industriellen Basis hierzulande leisten kann. Ohne damit Billig-Angebote aus dem Ausland zu verteufeln. Verbrauchern sei es auch gar nicht zu verübeln, wenn sie unter stets zunehmendem Spardruck so preiswert wie möglich einkaufen. "Aber es gibt auch eine Gegenbewegung", glaubt der 29-Jährige. "Wer sicher sein möchte, dass die Sachen auch übermorgen noch halten, der greift vielleicht eher zum deutschen Qualitätsprodukt", sagt Rabe. Und zusätzlich könnte die positive Verbraucher-Entscheidung eben von der Überzeugung getragen sein, dass damit heimische Arbeitsplätze gestärkt werden. Und damit "viele kleine Unternehmen, die das soziale System hier erhalten."
Nur so verstanden, hat der Seiten-Initiator übrigens ein nationales Anliegen. Ganz sicher trägt "Ja-zu-Deutschland.de" kein fremdenfeindliches oder gar antieuropäisches Interesse. Ganz im Gegenteil: Die Europäer sitzen bezüglich der Industrie-Entwicklung ohnehin in einem Boot, glaubt Sascha Rabe. Wenn Arbeitsplätze von hier nach Polen oder Tschechien verlagert werden, dann könne man ziemlich sicher sein, dass der neue Standort auch bald wieder verlassen werde. Zugunsten einer neuen Region mit dann deutlich geringerem Lohnniveau.
Hohes Lob für Rabes Initiative gab es bereits von Peer Steinbrück. Noch als Ministerpräsident schrieb er das Grußwort für "Ja-zu-Deutschland.de" Und selbstverständlich ist es weiter nachzulesen.
Nachrichten: © Westfälische Rundschau